<iframe src="//www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-5T7PGR" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden">

FROM THE BLOG

Mein Kind hat mehr Geld wie ich – darf ich auf das Kindesvermögen zugreifen?

Veröffentlicht von am 28. Mai 2019

Es ist gar nicht so selten, dass Kinder vermögender sind wie ihre Eltern. Grosseltern, Tanten oder Onkel, Gotten oder Göttis oder andere Personen schenken oder hinterlassen dem eigenen Kind ein grosses Vermögen. Wer hat dieses zu verwalten? Und können die Eltern für den Unterhalt des Kindes oder des gesamten Haushalts auf das Vermögen des Kindes zurückgreifen?

Darf-ich-auf-das-Kindesvermögen-zugreifen-Oliver-Arter1. Was versteht man unter Kindesvermögen?

Kinder sind ab Geburt rechtsfähig und können selbstständig Träger von Rechten und Pflichten sein. Dementsprechend können Kinder auch über eigenes Vermögen verfügen.

Was Kindesvermögen darstellt, ist im Einzelfall zu bestimmen. Folgendes stellt beispielsweise Kindesvermögen dar:

  • Gelder, Münzen oder anderen Finanzmitteln, beispielsweise Aktien oder Obligationen, welche dem Kind zum Geburtstag, zu Weihnachten, zu kirchlichen Feiertagen, zum Schuleintritt oder zum Bestehen von Prüfungen geschenkt wurden;
  • Sachen für den persönlichen Gebrauch des Kindes (Kleidung, Schmuck, Computer, Mobiltelefon, Fahrrad, Moped), es sei denn, dass diese dem Kind lediglich für den vorübergehenden Gebrauch überlassen wurden;
  • Sachen für die Ausübung eines Hobbys (Musikinstrumente, Sportgeräte), es sei denn, dass diese dem Kind lediglich für den vorübergehenden Gebrauch überlassen wurden;
  • Erbschaften des Kindes;
  • Ansprüche des Kindes gegenüber Sozialversicherungen.

Endet die elterliche Sorge oder Verwaltung (üblicherweise mit Erreichen der Volljährigkeit des Kindes mit 18 Jahren), haben die Eltern über das Kindesvermögen abzurechnen und dieses dem volljährigen Kind oder seinem gesetzlichen Vertreter herauszugeben.

2. Wer verwaltet das Kindesvermögen?

Solange den Eltern die elterliche Sorge gemeinsam zusteht, haben diese das Recht und die Pflicht, das Kindesvermögen gemeinsam zu verwalten. Zulässig ist es, dass ein Elter dem anderen die Verwaltung überlässt. Ebenso kann ein Elter bei Dringlichkeit alleine Entscheide treffen.

Steht die elterliche Sorge nur einem Elternteil zu (etwa nach Tod, Scheidung), ist dieser allein für die Verwaltung des Kindesvermögens zuständig.

3. Ist das gesamte Kindesvermögen durch die Eltern zu verwalten?

Ja, dem ist grundsätzlich so. Allerdings können Sonderregeln für die Verwaltung des sog. freien Kindesvermögens (vgl. hierzu demnächst Oliver Arter, Enkel als Erben und Beschenkte – Schutz vor dem Zugriff der Eltern) bestehen, weil solches von den Eltern nur verwaltet werden darf, wenn die Verwaltungsbefugnis der Eltern durch einen Schenker oder einen Erblasser nicht ausgeschlossen wurde. Ebenso darf das Kind Vermögen, welches es durch eigene Arbeit erwirbt oder von den Eltern aus seinem Vermögen zur Ausübung eines Berufes oder eines eigenen Gewerbes herausbekommt, selbst verwalten und nutzen.

4. Wie ist das Kindesvermögen zu verwalten?

Bei der Verwaltung des Kindesvermögens durch die Eltern haben diese die folgenden grundlegenden Prinzipien zu beachten:

  • Die Substanz des Kindesvermögens ist zu erhalten;
  • Es ist für eine angemessene Mehrung des Kindesvermögens zu sorgen, wobei diese nach den allgemeinen Prinzipien der Vermögensverwaltung (Diversifikation, Risikoverteilung) zu erfolgen hat. Hierfür sind, je nach Höhe des Kindesvermögens, bank- und versicherungsmässig übliche Anlagen zulässig;
  • Die Anlage des Kindesvermögens ist auf die Bedürfnisse des Kindes auszurichten, was, je nach Alter und Situation, bedingt, dass angemessene liquide Mittel, beispielsweise für Ausbildung und Ausstattung, vorhanden sind;
  • Die Struktur des Kindesvermögens darf verändert werden (zum Beispiel darf eine Liegenschaft veräussert werden und der Verkaufserlös anderweitig angelegt werden); allerdings sollen die langfristigen Interessen des Kindes auf spätere direkte Nutzung bestimmter Objekte (Erbstücke, Sammlerstücke, Aktien am Familienunternehmen, eine Liegenschaft, welche das Kind später selber bewohnen will) gewahrt und beispielsweise dem Kind geschenkte oder letztwillig hinterlassene Vermögenswerte nicht grundlos veräussert werden;
  • Aufwendungen für die Verwaltung des Vermögens können dem Kindesvermögen belastet werden.

5. Ist das Kind bei der Verwaltung des Kindesvermögens miteinzubeziehen?

Ja. Ist das Kind urteilsfähig, ist es bei der Verwaltung des Kindesvermögens in Entscheide von grösserer Tragweite einzubeziehen.

Allgemein sind die Inhaber der elterlichen Sorge auch gehalten, das Kind in die Verwaltung des eigenen Vermögens einzuführen.

6. Was ist zu tun, wenn zwischen der Verwaltung des eigenen Vermögens und dem Vermögen des Kindes ein Interessenkonflikt besteht?

Zwischen der Verwaltung des eigenen Vermögens sowie der Verwaltung des Vermögens des Kindes bestehen insbesondere in folgenden Konstellationen Interessenkonflikte:

  • Sowohl die Eltern wie auch das Kind sind an einer Erbengemeinschaft beteiligt;
  • Eltern wollen grössere Schenkungen an das Kind ausrichten (beispielsweise Übertragung der eigenen Liegenschaft an das Kind unter Vorbehalt eines Wohnrechts oder der Nutzniessung der Eltern);
  • Gelder der Eltern und des Kindes sind im elterlichen Geschäft investiert.

Liegen Interessenkonflikte vor, ist ein Vertretungsbeistand zu bestellen.

7. Mein Ehegatte ist verstorben. Ich und mein Sohn sind Erben. Welche Aufgaben hat der zu ernennende Vertretungsbeistand bei der anstehenden Erbteilung?

Der Vertretungsbeistand hat regelmässig die folgenden Aufgaben:

  • Feststellung des bereits vorhandenen Kindesvermögens im Zeitpunkt des Ablebens des verstorbenen Elternteils, wobei der überlebende Elternteil der Kindesschutzbehörde ein Inventar über das Kindesvermögen einzureichen hat;
  • Mitwirkung bei der Feststellung des ehelichen Vermögens;
  • Mitwirkung bei der güter- und erbrechtlichen Auseinandersetzung;
  • Mitwirkung bei der Erbteilung;
  • Überwachung, dass der Erbteil des Kindes auf dessen Namen angelegt werden;
  • Allenfalls Stellung eines Antrags, wenn zum Schutze des Kindesvermögens Massnahmen getroffen werden müssen.

8. Dürfen die Erträge des Kindesvermögens für den Unterhalt des Kindes verwendet werden?

Ja, grundsätzlich dürfen die Eltern die Erträge des Kindesvermögens für Unterhalt, Erziehung und Ausbildung des Kindes verwenden.

Allerdings ist eine Abwägung der Leistungsfähigkeit und Leistungspflicht von Eltern und Kind vorzunehmen. Unzulässig wäre es beispielsweise, wenn ein über ausreichenden eigenen Vermögensertrag verfügendes Kind wohlhabender Eltern die Ausbildungsaufwendungen vollständig alleine zu tragen hätte.

9. Dürfen die Erträge des Kindesvermögens für den Unterhalt des gesamten Haushalts, also auch für die Eltern und weitere Kinder, verwendet werden?

Ja, ausnahmsweise dürfen die Erträge des Kindesvermögens auch für die Bedürfnisse des gemeinsamen Haushalts verwendet werden. Erforderlich ist allerdings, dass zwischen der finanziellen Leistungsfähigkeit der Eltern und des Kindes ein erhebliches Ungleichgewicht besteht, und der anteilmässige Aufwand der Haushaltskosten des Kindes oder ein höherer Anteil davon nicht aus dem Einkommen der Eltern gedeckt werden kann.

Berücksichtigt werden kann auch der Aufwand, welcher bei den Eltern für die persönliche Betreuung des Kindes anfällt. Das Kind schuldet den Eltern allerdings keine Entlohnung für die erbrachte Pflege und Erziehung, sondern lediglich Ersatz für die entstehenden Auslagen (etwa Fremdbetreuung) oder entgehenden Einnahmen.

10. Darf die Substanz des Kindesvermögens für den Unterhalt des Kindes angezehrt werden?

Ja, unter bestimmten Umständen schon. Erweist es sich für die Bestreitung der Kosten des Unterhalts, der Erziehung oder der Ausbildung als notwendig, kann auch die Substanz des Kindesvermögens angegriffen werden. Hierzu erforderlich ist allerdings die Zustimmung der Kindesschutzbehörde. Diese hat zu prüfen, ob die Anzehrung des Kindesvermögens notwendig ist und hat gegebenenfalls die Höhe und die zeitlichen Intervalle der zu entnehmenden Beträge zu bestimmen.

11. Darf die Substanz des Kindesvermögens für den Unterhalt des gesamten Haushalts angezehrt werden?

Ja, dies ist unter denselben Voraussetzungen zulässig wie die Anzehrung des Vermögens für den Unterhalt des Kindes.

12. Mein Kind verdient eigenes Geld. Wer verwaltet dieses? Und kann ich hiervon einen Anteil verlangen?

Was das Kind durch eigene Arbeit erwirbt oder was es von den Eltern aus seinem Vermögen zur Ausübung eines Berufes oder eines eigenen Gewerbes herausbekommt, steht unter der Verwaltung und Nutzung des Kindes. Lebt das Kind mit den Eltern in häuslicher Gemeinschaft, können diese verlangen, dass es einen angemessenen Beitrag an seinen Unterhalt leistet.

 

Themen: Privatkunden

  
Name 13

Oliver Arter

Oliver Arters Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der Beratung und Vertretung von Privatpersonen und deren Vertreter (Banken, Family Offices, ausländische Berater) in allen Bereichen der nationalen und internationalen Vermögensplanung. Weitere Schwerpunkte seiner Tätigkeit liegen im Bankrecht, in der Vermögensverwaltung und in regulatorischen Fragen. Oliver Arter ist seit Juni 2009 als Konsulent tätig. Seine Tätigkeit umfasst die Vertretung und Beratung von Privatpersonen bei der Vermögensstrukturierung (Trusts, Stiftungen, internationale Körperschaften), nationale und internationale Nachlassplanung, Erbteilung, Willensvollstreckung, Ehegüterrecht, Vorsorgeaufträge und Patientenverfügungen, Wohnsitznahme und Besteuerung. Zudem berät er schweizerische und internationale Banken, Vermögensverwalter, Anlageberater und Family Offices in aufsichtsrechtlichen und vertraglichen Angelegenheiten und vertritt sie in Verfahren. Er publiziert ausgiebig in allen seinen Fachgebieten. Oliver Arter ist Wissenschaftlicher Konsulent am Institut für Rechtswissenschaft und Rechtspraxis der Universität St. Gallen und wird häufig als Referent und als Tagungsleiter zu Konferenzen eingeladen. Oliver Arter machte seinen Abschluss in Rechtswissenschaften an der Universität St. Gallen im Jahre 1996 und wurde im Jahre 2000 als Rechtsanwalt in Zürich zugelassen. Seine Arbeitssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch. Er ist Mitglied des Zürcher Anwaltsverbands, des Schweizerischen Anwaltsverbands, der Society of Trust and Estate Practitioners (STEP), der International Tax Planning Association (ITPA), der Bankenrechtlichen Vereinigung e.V., der Schweizerisch-Japanischen Handelskammer (SJCC) sowie der International Bar Association. Bei Chambers Global, Chambers Europe, Chambers High Net Worth und Legal500 gilt Oliver Arter seit vielen Jahren in Folge als führender Berater im Bereich Private Clients.

Social Media Profile
https://blog.froriep.com/hubfs/IMAGES_BLOGPOST_850x850/Darf-ich-auf-das-Kindesverm%C3%B6gen-zugreifen-Oliver-Arter.jpg